Die Krankenhäuser verstehen, um sie zu verändern!

Online-Veranstaltungsreihe von Krankenhaus statt Fabrik

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Ankündigung als Flyer (pdf)
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Mit diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRGs) wurden Krankenhäuser seit 2004 systematisch kommerzialisiert und unter Kostendruck gesetzt – mit verheerenden Folgen. Aktuell ist dieses Finanzierungssystem aber schwer angeschlagen: Seit Jahren sorgen kämpferische Belegschaften für Bewegung in Krankenhäusern. Sie protestieren und streiken gegen Pflegenotstand, Personalmangel und Lohndumping. So wurden erste Erfolge erzielt: Die Pflege wird seit diesem Jahr nicht mehr nach Fallpauschalen finanziert, eine gesetzliche Personalbemessung ist in greifbare Nähe gerückt.

An der Herausforderung durch die Coronakrise sind die Fallpauschalen gescheitert. Eilig musste im März ein (löchriger) Schutzschirm jenseits der DRGs aufgespannt werden, um die Krankenhäuser vor dem Ruin zu bewahren. Zugleich stehen sie – als Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge – seit dieser Krise im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die aktuelle Situation bietet also eine gute Gelegenheit, die unseligen DRGs weiter zurückzudrängen und eine bedarfsorientierte Finanzierung der Krankenhäuser durchzusetzen.

Um diesem Ziel näher zu kommen ist es wichtig, die Gegenseite und ihre Strategien zu kennen: Wer hat warum und wie für die Einführung der Fallpauschalen gesorgt, wie funktionieren sie genau, welche Auswirkungen haben sie und wie werden wir sie wieder los? Im Licht dieser Fragen wollen wir mit der vierteiligen Online-Seminarreihe Wissen vermitteln und Strategieentwicklung befördern. Dieses Angebot richtet sich an alle, die sich für Veränderungen in den Krankenhäusern einsetzen oder dies zukünftig tun möchten.

Termine (1. und 3. Mittwoch im September und Oktober)

Mittwoch, 02.09.2020, 18:00-19:15
Was hat uns bloß so ruiniert? Grundlegende Entwicklungen und Mythen der Krankenhauspolitik in Deutschland

Mittwoch, 16.09.2020, 18:00-19:15
Der große Ausverkauf: Politik und Ideologie der Krankenhausprivatisierung

Mittwoch, 07.10.2020, 18:00-19:15
Personal als Kostenfaktor: Wie haben DRGs die Arbeitsbedingungen und das professionelle Ethos in Krankenhäusern verändert?

Mittwoch, 21.10.2020, 18:00-19:15
Wind of Change? Pflege ohne Fallpauschalen und die Coronakrise


WICHTIG: Informationen zur Anmeldung

Die Veranstaltungen finden als Zoom-Videokonferenz statt. Für die Teilnahme bitten wir um Anmeldung über das Anmeldeformular. Der Zugangslink und alle notwendigen technischen Informationen werden nach der Anmeldung per Mail verschickt. Bitte beachten Sie auch unsere Datenschutzerklärung.


Die Veranstaltungen im Einzelnen

Was hat uns bloß so ruiniert? Grundlegende Entwicklungen und Mythen der Krankenhauspolitik in Deutschland


Mittwoch, 02.09.2020, 18:00-19:15

Wie wurden die Krankenhäuser eigentlich vor den DRGs finanziert? Wie hat die Selbstkostendeckung früher funktioniert? Mit welchen Argumenten wurde sie abgeschafft? Wie konnte die neoliberale Krankenhauspolitik durchgesetzt werden? Und: Was sind und wie funktionieren eigentlich die DRGs genau?
Im ersten Teil unserer Seminarreihe setzen wir uns mit der Geschichte der Krankenhauspolitik auseinander und zeigen, mit welchen Mythen die bedarfsorientierte Krankenhausfinanzierung delegitimiert und schließlich abgeschafft wurde. Wir erläutern die grundlegende Funktionsweise der DRGs, die den vorläufigen Höhepunkt neoliberaler Krankenhauspolitik darstellen.

Mit Nadja Rakowitz, Kalle Kunkel und Thomas Böhm (alle Krankenhaus statt Fabrik)


Der große Ausverkauf: Politik und Ideologie der Krankenhausprivatisierung


Mittwoch, 16.09.2020, 18:00-19:15

Wie wird die Einführung von Marktmechanismen und Privatisierung legitimiert? Welche Auswirkungen haben sie auf das Gesundheitssystem? Wie verändert die privatisierte Krankenhausindustrie die Gesundheitsversorgung? Wie soll ‚noch mehr Markt‘ durchgesetzt werden?
Die DRGs sind der konkrete Ausdruck einer Politik, die auf Privatisierung und marktförmige Steuerung der öffentlichen Daseinsvorsorge setzt. Im zweiten Teil unserer Seminarreihe setzen wir uns zum einen mit der Ideologie und Politik von Markt und Privatisierung in den Krankenhäusern auseinander. Darüber hinaus gehen wir auf weitergehende Pläne neoliberaler Gesundheitspolitik ein, die ihre marktradikalen Zielsetzungen unter dem Deckmantel vermeintlicher „Qualität“ verschleiert.

Mit Thomas Böhm und Achim Teusch (beide Krankenhaus statt Fabrik) sowie Kirsten Rautenstrauch (Hamburger Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus)


Personal als Kostenfaktor: Wie haben DRGs die Arbeitsbedingungen und das professionelle Ethos in Krankenhäusern verändert?


Mittwoch, 07.10.2020, 18:00-19:15

Warum führen DRGs zum Abbau von Pflegestellen und Aufbau von Arztstellen? Welche Auswirkungen haben sie auf das professionelle Ethos von Krankenhausbeschäftigten? Wieso wächst die Macht der wirtschaftlichen Leitung der Krankenhäuser? Und was hat das alles mit Outsourcing zu tun?
Im dritten Teil unserer Seminarreihe beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen der Kommerzialisierung auf die internen Strukturen im Krankenhaus. Dabei geht es zum einen darum, wie die DRGs das Verhältnis zwischen Patient*innen und Krankenhausbeschäftigten verändern. Zum anderen setzen wir uns mit der Wirkung auf die Arbeitsbedingungen und Löhne der Beschäftigten auseinander. Außerdem werden wir darstellen, wie breit und vielfältig die Kämpfe um diese Bedingungen inzwischen geworden sind.

Mit Peter Hoffmann (Krankenhaus statt Fabrik), Dana Lützkendorf (Betriebsgruppensprecherin ver.di Charité) und Ellen Ost (Gewerkschaftsaktive am Uniklinikum Jena, Bündnis Krankenhaus statt Fabrik Jena)


Wind of Change? Pflege ohne Fallpauschalen und die Coronakrise


Mittwoch, 21.10.2020, 18:00-19:15

Wie funktioniert die Herausnahme der Pflege (am Bett) aus den DRGs? Was ist der Pflegelastkatalog und warum birgt er die Gefahr von „Pflege-DRGs“? Welche politische Bedeutung hat die Teilabschaffung der DRGs? Können wir nach der Covid-19-Krise einen Wechsel in der Krankenhauspolitik durchsetzen?
Im vierten und letzten Teil unserer Seminarreihe setzen wir uns mit den immer größeren Rissen im DRG-System auseinander. Während der Covid-19-Krise sprachen sich erstmals sowohl die Deutsche Krankenhausgesellschaft als auch die AOK für ein Aussetzen des DRG-Systems aus. Zugleich zeigt die Herausnahme der Pflegefinanzierung aus den DRGs, dass sich kämpfen lohnt. Schon machen weitere Berufsgruppen – z.B. die Ärzt*innen – eine Finanzierung ihrer Stellen außerhalb des DRG-Systems geltend. Noch nie war das DRG-System so delegitimiert. Überwinden werden wir es jedoch nur, wenn wir die aktuellen Gelegenheiten nutzen und die Risse vertiefen. Um die Chancen, aber auch um die Gefahr eines möglichen Rückschlags, wird es im letzten Teil der Seminarreihe gehen.

Mit Nadja Rakowitz und Laura Beckmann (beide Krankenhaus statt Fabrik)


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